Aufwendungen für Fahrten eines Unternehmers zu einem großräumigen Arbeitsgebiet

06. November 2026

Ein selbständiger Unternehmer, der für seine Tätigkeit regelmäßig ein großräumiges Arbeitsgebiet aufsucht, hat dort nicht allein deshalb eine Betriebsstätte, weil sein Arbeitsgebiet großräumig ist. Eine Betriebsstätte hat er nur dann, wenn er über eine ortsfeste dauerhafte betriebliche Einrichtung verfügt, die er fortlaufend und regelmäßig zur Ausübung seiner betrieblichen Tätigkeit aufsucht; er kann dann nur die Entfernungspauschale für die Fahrten von seiner Wohnung zur Betriebsstätte steuerlich geltend machen.

Hintergrund: Arbeitnehmer können ihre Fahrten zwischen Wohnung und ihrer ersten Tätigkeitsstätte grundsätzlich nur in Höhe der Entfernungspauschale geltend machen. Für Unternehmer gilt bei Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte mit einem betrieblichen Fahrzeug Entsprechendes: Die auf diese Fahrten entfallenden tatsächlichen Kfz-Aufwendungen sind grundsätzlich nur bis zur Höhe der Entfernungspauschale als Betriebsausgaben abzugsfähig. Soweit die Aufwendungen die abziehbare Entfernungspauschale übersteigen, ist der übersteigende Betrag dem Gewinn wieder hinzuzurechnen.

Sachverhalt: Der Kläger war als Lotse in einem Lotsenbezirk selbständig tätig. Um zu seinem Lotsenbezirk zu kommen, fuhr er mit seinem betrieblichen Kfz zu einem Parkplatz, den er fest angemietet hatte. Von dort aus fuhr er mit einem Boot zu dem Schiff, das er lotsen sollte. Die Wartezeiten bis zum nächsten Auftrag überbrückte er in einer Lotsenstation. Zweimal im Monat für jeweils vier Stunden arbeitete der Kläger in einer Radarstation. Der Kläger machte die auf seine Fahrten zum Lotsenbezirk entfallenden Kfz-Aufwendungen weitgehend als Betriebsausgaben geltend; das Finanzamt sah den Lotsenbezirk als Betriebsstätte an und berücksichtigte für sämtliche Fahrten des Klägers von seiner Wohnung zu seinen Einsätzen nur die Entfernungspauschale und erhöhte den Gewinn.

Entscheidung: Der Bundesfinanzhof (BFH) gab der hiergegen gerichteten Klage statt:

  • Der Lotsenbezirk stellte keine Betriebsstätte des Klägers dar. Daher waren seine Kfz-Aufwendungen für die Fahrten von der Wohnung bis zum Lotsenbezirk in vollem Umfang als Betriebsausgaben abzusetzen und nicht auf den Abzug der Entfernungspauschale beschränkt.

  • Der Begriff der Betriebsstätte eines Unternehmers ist normspezifisch auszulegen und nicht mit dem Begriff der Arbeitsstätte eines Arbeitnehmers identisch. Eine Betriebsstätte liegt vor, wenn der Unternehmer über eine betriebliche Einrichtung verfügt, die er mit einer gewissen Nachhaltigkeit, d.h. Regelmäßigkeit, zur Ausübung seiner Tätigkeit aufsucht.

  • Diese Voraussetzung war weder hinsichtlich des angemieteten Parkplatzes noch bezüglich der Lotsenstation, in der der Kläger auf seine nächsten Aufträge wartete, noch in Bezug auf die Radarstation erfüllt. Der Kläger war nämlich weder am Parkplatz noch in der Lotsenstation tätig; den Parkplatz nutzte er nur, um dort sein Kfz abzustellen, und in der Lotsenstation wartete er nur auf seinen nächsten Auftrag. In der Radarstation arbeitete der Kläger zwar zweimal im Monat für jeweils vier Stunden; er hat die Radarstation aber nicht fortdauernd aufgesucht, und dort befand sich auch nicht der Mittelpunkt seiner betrieblichen Tätigkeit. Vielmehr lag der Mittelpunkt der betrieblichen Tätigkeit auf den jeweiligen Schiffen, die er lotste; die Schiffe waren aber keine Betriebsstätten des Klägers.

  • Zwar wird bei Arbeitnehmern auch ein groß- bzw. weiträumiges Arbeitsgebiet als erste Tätigkeitsstätte angesehen; dies ergibt sich aus einer gesetzlichen Regelung, die für Arbeitnehmer gilt. Die gesetzliche Regelung für Unternehmer, die den Betriebsausgabenabzug für Fahrten von der Wohnung zur Betriebsstätte beschränkt, nimmt auf diese Regelung, die für Arbeitnehmer gilt, jedoch nicht der Bezug. Der Begriff des großräumigen Arbeitsgebiets ist damit nur für Arbeitnehmer relevant, gilt aber nicht für Unternehmer entsprechend.

Hinweise: Mit diesem Urteil ändert der BFH seine bisherige Rechtsprechung. Dies beruht auf einer Gesetzesänderung, die das steuerliche Reisekostenrecht für Arbeitnehmer ab dem Jahr 2014 geändert hat. In dieser Änderung ist zwar für Arbeitnehmer ausdrücklich das großräumige Arbeitsgebiet geregelt worden; jedoch verweist die gesetzliche Regelung für Unternehmer nicht auf die für Arbeitnehmer geltende Definition des großräumigen Arbeitsgebiets. Aus diesem Grund führt allein die Großräumigkeit des Einsatzgebiets bei Unternehmern nicht zu einer Betriebsstätte. Erforderlich ist vielmehr, dass der Unternehmer über eine betriebliche Einrichtung verfügt, die er mit einer gewissen Nachhaltigkeit zur Ausübung seiner Tätigkeit aufsucht.

Quelle: BFH, Urteil vom 23.6.2026 – VIII R 13/24; NWB

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